Festliche Tage in Prag (19. - 23. Oktober 2004)
Eingeladen vom Schweizer Botschafter Hansrudolf Hoffmann brachen am Dienstag, 19. Oktober 23 Mitglieder der Compagnia Rossini und 13 „Amici“ von Chur zur Konzertreise nach Prag auf. Der Chauffeur unseres Reisecars schaffte es schliesslich spätabends bis 200 Meter vor das Hotel, wo ein falsch parkiertes Auto kein Durchkommen ermöglichte. Dass die Tenöre und Bässe der Compagnia nicht nur singen, sondern auch zupacken können, bewiesen sie, indem sie das Hindernis „eigenhändig“ zur Seite schafften.
Von unserem modernen Hotel K+K Fenix aus starteten wir am Morgen ausgeruht zu einem ganztägigen (!) Stadtrundgang, mit einem versierten einheimischen Guide, der uns nicht nur die baulichen Schönheiten der Goldenen Stadt zeigte, sondern dazu manch wertvolle Hintergrund-Information lieferte. Der Abend brachte im prunkvollen Nationalmuseum einen ersten Höhepunkt für uns alle:
Auf vier monumentalen Treppen sassen die Zuhörer wie in einer antiken Arena dicht gedrängt bis an den Rand des eher schmalen Platzes, auf dem La Compagnia Rossini ihr Konzert gab. Und wie sie diese besondere Atmosphäre nutzten! Die stimmliche Brillanz, die gemessenen Bewegungen der Sänger, Charme und Eleganz der oft bis ganz nah vor die Zuhörer tretenden Solistinnen zogen alle unmittelbar in ihren Bann. Und weil Armin Caduff die vielen weltbekannten Melodien auf die Stärken seines Ensembles zugeschnitten arrangiert, das heisst quasi neu komponiert, gab es auch manch herrliche Überraschung: so kam etwa die berühmte Registerarie „Cara Madamina“ aus Mozarts Don Giovanni hier als lebhafter Wechselgesang zu ganz neuer, anregender Wirkung! Und nach vier Zugaben spürten wir beim Hinaustreten den Regen gar nicht, so beschwingt waren wir!
Danach folgte ein für alle freier Tag, genauer fast alle, denn die Solisten der Compagnia Rossini hatten sich am Abend bei einem grossen Empfang des Schweizer Botschafters stimmlich und in der Konversation mit Prominenz aus aller Welt ein weiteres Mal zu bewähren. Es sei perfekt gelungen, hörten wir!
Der Freitag brachte einen Ausflug in die ehemalige Silberstadt Kutna Hora, bei dem sich viele schon auf den Abend freuten: das Konzert im Palais Liechtenstein. Immer mehr Stühle mussten in den gediegenen Festsaal getragen werden, so gross war der Andrang.
Zuletzt erschien noch eine Maturaklasse der Kantonsschule Chur; sie fanden nur noch auf der Bühne Platz, in Tuchfühlung mit den Sängerinnen und Sängern. Ein besonderes Erlebnis für sie, sodass einer nachher begeistert sagte: „Da mussten wir doch nach Prag kommen, um dieses grossartige Ensemble aus unserer Heimat kennen zu lernen. Aber jetzt lieben wir es!“
Beim Auftritt der Compagnia Rossini folgte während eineinhalb Stunden – ohne Pause! - ein Highlight dem anderen, und der Abend wurde zum Höhepunkt der ganzen Konzertreise. Und er wurde lang: Botschafter Hoffmann offerierte für Künstler und Publikum noch einen reich dotierten Apéro. Irgendwann und irgendwie seien alle in dieser Nacht noch ins Hotel zurückgelangt. Anderntags reisten wir zwischenfallslos und glücklich über das Erlebte zurück in die Schweiz.
Als zu den eingangs erwähnten 13 Gästen zählende danken wir der Compagnia Rossini herzlich für das menschlich und musikalisch gleichermassen unvergessliche Erlebnis dieser Reise. Festliche Tage – oder eher: festliche Nächte in Prag!
Hanskaspar Zollinger
